Gemeinsam trainieren, voneinander lernen und als Team in die neue Saison starten

Am ersten September-Wochenende wurde das Nordhorner Freibad zum Treffpunkt für rund 50 Schwimmer*innen aus Dedemsvaart und die 1. Mannschaft von Waspo Nordhorn. Was als gemeinsames Trainingswochenende geplant war, wurde dabei schnell zu deutlich mehr als nur ein gut gefüllter Trainingsplan.

Die Idee dazu entstand bereits beim Pfingstschwimmfest im Gespräch zwischen John und Marcel, den Trainern der beiden 1. Mannschaften. Die beiden kennen sich seit vielen Jahren  und wissen, dass nicht nur sie, sondern auch die Trainings- und Vereinsphilosophien beider Clubs gut zusammenpassen. Warum also immer nur gegeneinander schwimmen, wenn man auch miteinander trainieren und voneinander profitieren kann?

Am Freitag reiste deshalb eine große Delegation aus Dedemsvaart nach Nordhorn: Schwimmer*innen zwischen 12 und 25 Jahren, ein vierköpfiges Trainer*innenteam sowie ein eigenes Betreuungs- und Verpflegungsteam. Die Zelte wurden direkt auf dem Freibadgelände aufgeschlagen – nicht nur von den Gästen. Auch die Wasporaner*innen tauschten für das Wochenende das eigene Bett gegen Isomatte und Schlafsack.

Dass ein Trainingswochenende allerdings nicht nur aus geschwommenen Kilometern besteht, wurde schon am ersten Abend deutlich. Nach der Auftakteinheit im Wasser folgte ein Theorieblock zum Thema Schlaf. Wie wichtig sind Tief- und REM-Schlaf? Was bedeutet gute Schlafhygiene? Und welche Rolle spielen Regelmäßigkeit und Erholung gerade in intensiven Trainingsphasen oder vor Wettkämpfen? Mithilfe eines kleinen Selbsttests konnten die Aktiven anschließend ihr eigenes Schlafverhalten einschätzen … und vielleicht schon den ersten Ansatzpunkt finden, an dem sich die eigene Leistung noch optimieren lässt.

Ob die Erkenntnisse direkt in der ersten Nacht umgesetzt wurden, sei dahingestellt. Zumindest begann der Samstagmorgen mit einem durchaus effektiven Aufweckprogramm: Aus den verschiedenen Boxen konkurrierten niederländischer Hardstyle und deutscher Rap um die musikalische Vorherrschaft auf dem Freibadgelände. Kultureller Austausch kann schließlich viele Formen annehmen.

Und genau dieser Austausch war eine der Grundideen des Wochenendes. Für die Trainer*innen war von Beginn an klar, dass die beiden Vereine nicht einfach nur zur gleichen Zeit am gleichen Ort trainieren sollten. Die Gruppen sollten sich mischen, miteinander arbeiten, neue Trainingspartner*innen kennenlernen und dabei auch die eine oder andere Sprachbarriere überwinden.

Wie das mit knapp 80 Aktiven auf fünf Bahnen funktioniert? Ein bisschen wie Tetris. Nachdem am Samstagmorgen noch eine weitere Gruppe jüngerer Schwimmer*innen aus Dedemsvaart angekommen war, wurde nach Geschwindigkeit sortiert, von beiden Beckenseiten gestartet und konsequent vereinsübergreifend gemischt. Pro Bahn stand auf jeder Seite ein Coach. Damit wurde auch die Einheit selbst zum niederländisch-deutschen Gemeinschaftsprojekt: Die niederländischen Trainer*innen pfeilen an ihrem Deutsch, Marcel durfte seine Muttersprache auspacken und Sören und Marloes ihre Niederländischkenntnisse (re-)aktivieren.

Was zunächst nach zusätzlicher Herausforderung klingt, war vor allem eine Chance. Andere Trainingspartner*innen verändern die Dynamik einer Einheit, andere Trainer*innen setzen neue Impulse und manchmal hilft schon eine etwas andere Erklärung, um eine Aufgabe neu zu verstehen. Damit dabei nicht nur die Arme und Beine arbeiteten, wartete auf jede Bahn zusätzlich eine Challenge, bei der neben schwimmerischen Fähigkeiten auch Geschicklichkeit, Rechnen und Logik gefragt waren.

Überhaupt spielte sich an diesem Wochenende längst nicht alles im Wasser ab. Der Mittag und Nachmittag zeigten, wie vielseitig Training sein kann. Bei Minispielen wie Fußballdart, Ultimate Frisbee, Basketball und Volleyball standen Spaß, Geschicklichkeit und gemeinsames Agieren im Mittelpunkt. Im Hyrox-Zirkel wurde es dagegen körperlich: Je nach Altersgruppe wechselten sich Laufstrecken mit Übungen wie Burpee Broad Jumps oder Butterfly Sit-ups ab. Während Dedemsvaart anschließend die neue Saison besprach, stand für Waspo Mobility und Stretching auf dem Programm.

Damit wurde gleichzeitig eine weitere Idee des Wochenendes sichtbar: Gute schwimmerische Leistung entsteht nicht nur beim Kachelnzählen. Regeneration, Schlaf, Beweglichkeit und Athletik gehören ebenso dazu wie das Training im Becken. Vor allem aber braucht es ein Umfeld, in dem Aktive gerne trainieren, sich gegenseitig unterstützen und gemeinsam Herausforderungen annehmen.

Das galt an diesem Wochenende für die Jüngsten genauso wie für die Ältesten. Zwischen 10 und 25 Jahren lagen teilweise mehr als ein Jahrzehnt Altersunterschied – im Wasser, bei den Challenges und auf dem Freibadgelände gehörten trotzdem alle zu einer großen Gruppe. Gerade diese Mischung machte das Wochenende besonders: Die Jüngeren konnten mit und neben den Älteren trainieren, während die erfahrenen Aktiven Verantwortung übernahmen und Orientierung geben konnten.

Natürlich durfte zum Abschluss noch einmal geschwommen werden. Aber selbst die letzte Wassereinheit kam nicht ganz ohne Kopfarbeit aus: Ein Logikspiel entschied auf jeder Bahn darüber, welche Strecken als Nächstes absolviert werden mussten. Danach war endgültig Schluss mit Kachelnzählen.

Bei Burgern vom Grill klang das gemeinsame Wochenende schließlich aus – inklusive gegenseitiger Schlachtrufe für den jeweils anderen Verein. Aus zwei Mannschaften, zwei Sprachen und zwei Vereinen war für ein Wochenende eine ziemlich große Trainingsgruppe geworden.

Und vielleicht liegt genau darin der größte Gewinn dieses ersten Waspo Nordhorn x Dedemsvaart AC Opstart-Weekends: Konkurrenz gehört zum Sport. Zusammenarbeit aber genauso. Wenn Vereine ihr Wissen, ihre Trainingsideen und ihre Erfahrungen teilen, entstehen neue Impulse für Trainer*innen und Aktive gleichermaßen. Und wenn dabei aus anderen Trainingspartner*innen neue Bekanntschaften und vielleicht Freundschaften werden, zeigt sich einmal mehr, dass Schwimmen eben weit mehr ist als die Zeit, die am Ende auf der Uhr steht.

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